Wieviel Gramm Stoff hättens denn gern´?

Je öfter man im Netz unterwegs ist, umso öfter findet man, manchmal überaus skurrile, Beschreibungen für diverse Materialien. Gerade wenn es um die Stoffkunde geht, haben sich manch seltsame Ammenmärchen im www durchgesetzt. Viele der Leute berichten einfach über das, was sie bisher kennen gelernt haben, ohne dabei das große Ganze im Auge zu behalten. So werden Jerseys immer als überaus elastisch markiert und Sweats dehnen sich aber immer ein bisschen, aber nicht so sehr wie Jerseys.

Die Enttäuschung ist dann groß, wenn ein Onlinehändler plötzlich einen Jersey ohne Elastananteil liefert und dieser sich gar nicht mal soooo sehr dehnt wie erwartet. Schuld daran hat hier ohne Zweifel der Händler, schlechte Qualität, versteht sich ja von alleine. Das aber ein Blick in die Artikelbeschreibung (und nicht nur aufs Preisschild) oft ganz viel Aufschluß darüber geben kann, was der erwählte Stoff kann und wo man einfach ein wenig zuviel erwartet, sehen die meisten einfach nicht. In der nächsten Artikelreihe möchte ich mit euch die Angaben bei Stoffen ein weniger genauer unter die Lupe nehmen. Ich erzähle euch was in einer Artikelbeschreibung unbedingt stehen sollte und was euch die einzelnen Dinge eigentlich sagen wollen.

Onlinestoffshopping ist auch immer ein wenig Glückspiel

Wer seine Stoffe online kauft muss in vielerlei Hinsicht auch einfach ein wenig Glück haben. Warum eigentlich? Einerseits muss der Händler ehrlich sein. Sicher werdet ihr in Produktbeschreibungen niemals ein „furchtbar fusselig, dünner Jersey, für Anfänger vollkommen ungeeignet“ lesen, auch wenn dies bei manch Stoffen wohl die korrekte Bezeichnung wäre. Manch „Fehlgriff“ von Händlerseite wird dennoch versucht an den Mann Frau gebracht zu werden. Aber wie kommt es nun zu Händlerfehlgriffen? Die sollten doch so einen Stoff vorm Kauf mal in der Hand gehabt haben, meint man.

Nicht jeder Onlinehändler weiß was er tut

Auch viele Großhändler arbeiten heute mit Onlineshops, der Stoffhändler kann dort heiter einkaufen. Meist ist dies gerade zum Start des Gewerbes ganz einfach. Mal eben ein paar Stoffe online shoppen, ohne viel Ahnung zu haben was man da eigentlich kauft. Hier wird dann Singlejersey ohne Elastan in allen Farben geordert, weil er im Einkauf so schön preiswert ist und immerhin 100% Baumwolle. 100% Baumwolle ist immer gut, vor allem wenn man Mütter als Kundschaft hat. Denn alles was in irgendeiner Weise Kunstfaser enthalten könnte, wird für den lieben Nachwuchs gerne vollkommen abgelehnt. Die Grammangabe die dort in Klammer steht, wird einfach ignoriert oder man meint 160g/m2 klingt viel. Kommt dann dieser luftig leichte Baumwolljersey, den die Discountermaschine zum Frühstück frißt, weil die 90er Standartnadel die seit 3 Jahren ihre Dienste leistet, einfach Hunger hat, ist die Begeisterung plötzlich dahin.

Und wie verkauft man sowas nun?

Wie bringt man DAS nun also an den Kunden? Ganz einfach, wir schreiben erst gar nicht zuviel in die Beschreibung, der Kunde kann damit ja eh nix anfangen. Geschrieben wird dann Baumwolljersey, die Grammzahl wird unter den Tisch gekehrt, kann ja eh keiner was mit anfangen. 100% Baumwolle! Liest sich doch gut, oder? Und der Preis ist Bombe, der Kunde kauft. Zu Hause ausgepackt wundert sich der Kunde dann, warum der Jersey gar nicht mal so elastisch ist und warum die Maschine da Löcher in den Jersey haut. Dabei ist das Produkt welches gekauft wurde, vielleicht gar nicht schlecht. Es ist nur nicht das, womit der Kunde gerechnet hat und erwartet vielleicht eine besondere Form der Verarbeitung. So etwas ist immer enttäuschend.

Daher gilt, Augen auf bei der Onlinehändlersuche! Es bringt einfach nichts, wenn in deinem Onlineshop das süße Muster in der Artikelbeschreibung gelobt wird. Das liest sich vielleicht nett und liebevoll, aber im Grunde kann man dies durch ein Foto ja selber beurteilen. Es bringt auch nichts den Onlineshop nach den Goodies auszuwählen. Ein guter Onlineshop gibt Auskunft über das Material, hat für euch evtl. sogar ein paar Infos zur Verarbeitung parat und verrät euch gerne auch mal die Grammatur des Stoffes, da diese im Grunde am meisten aussagt. Wenn dann noch ein paar Beispiele dabei stehen, wofür ihr diesen Stoff gebrauchen könnt, seit ihr auf einer guten Seite.

Was sagt mir nun also die Grammzahl beim Stoff?

Naja im Grunde fast ALLES und dennoch verzichten viele auf genau diese Angaben. Anhand des Gewichts des Stoffes läßt sich erahnen ob es sich um einen luftig leichten Jersey für Sommerkleider handelt. Oder einen festen schweren für Langarmshirt für Kinder zum Beispiel. Ein 160g/m2 schwerer Jersey ist ein ganz leichter Stoff an dem sich manch Nähanfänger evtl. die Zähne ausbeißen wird, dennoch ist er wunderbar für Damenbekleidung die nicht von alleine in der Ecke stehen soll. Das heißt keines Falls, dass es sich hier um schlechte Qualität handelt. Lediglich die Verarbeitung, gerade mit der normalen Nähmaschine ist einfach viel schwieriger und erfordert doch etwas Übung. Hingegen ein 260g/m2 schwerer Jersey läßt sich auch für Anfänger ganz gut verarbeiten, macht sich für Kinderkleidung einfach sehr gut, da er auch einfach robuster ist (in der Regel gewinnt er den Kampf Stoff gegen Katzenkralle). Meist rollen sich die schweren Jerseys auch nicht so sehr. Also merke, je schwerer der Jersey, umso leichter das Handling. Wer generell eher Angst hat Jersey zu verarbeiten, sollte nicht unter 200g/m2 anfangen.

Umso leichter, umso günstiger

Dennoch greifen viele Nähanfänger zum leichten Jersey. Aber warum ist das so? Viele wissen es sicher nicht besser und manchmal fehlt eben auch einfach die nötige Information im Onlineshop. Den ganz oft ist es beim Jersey wie bei Wurst, 500g kosten in der Regel mehr als 250g. Soll heißen, wiegt der Jersey pro Quadratmeter nur 160g wurde natürlich viel weniger Material verbraucht als bei einem der 260g wiegt. In Zahlen kostet so ein leichter Jersey gern mal nur 6,- € pro Meter und der schwere weit über 10,- €. Sehe ich als Kunde den Unterschied nicht, nehme ich ganz klar den günstigeren und ärgere mich zu Hause dann über die vermeintlich schlechte Qualität.

Wenn ihr also das nächste Mal den Warenkorb füllt, dann guckt doch nochmal genauer was ihr dort rein packt. Und wenn euer Händler diese Infos nicht direkt in die Beschreibung schreibt, dann nervt ihn doch mal und fragt nach (viele nervende Kunden erhöhen die Chance der Veränderung). Denn wenn ihr beim Metzger Wurst kauft, wollt ihr ja auch wissen wieviel ihr kauft und nicht wie hübsch das Muster ist. Lasst euch also immer sagen, wie schwer euer Stoff ist.

Im nächsten Artikel erzähle ich euch ein wenig mehr zu den verschiedenen Jerseys. Ich kläre euch auch auf was die Zutatenliste über das Material verrät und warum Elastan für euer Kind nicht zwangsläufig tödlich sein muss.

In diesem Sinne, Augen auf beim Onlineshopping!

Herzlichst eure Manuela

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8 Responses

  • Liebe Manuela.

    Sehr gut erklärt. Hab darauf hin mal nachgeguckt wie schwer meine verarbeiteten Stoffe sind bzw. was mir die Händler angegeben haben. Bin erstaunt, das der French Terry mit 290g/m² schwerer ist als der Sweat mit 250g/m². Es sind aber beides ganz wunderbare Stoffe, die sich wunderbar verarbeiten lassen und auch nach vielen, vielen Wäschen noch gut aussehen ohne zu pillen oder sich zu verziehen. Freue mich schon auf die nächsten Folgen der Nähschule 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Jenny

    • Das stimmt, Sweat ist nochmal ein Thema für sich. Die flauschige Abseite wiegt im Grunde ja nicht viel.

      Viele Grüße zurück liebe Jenny

  • Das ist mal ein guter Beitrag!!! Mehr davon.
    Ich selbst achte schon auf die Gramm/m², komme aber auch mit dem Flutschzeug klar. Aber ich schätze für die meisten Jersey-näher(innen) ist das lehrreich.
    LG
    Martina

    • Liebe Martina,
      vielen Dank für dein Feedback. Ich hoffe auch die Beiträge sind hilfreich. Im Grunde kann man sich direkt am Nähanfang mit einem schwierigen Stoff die ganze Freude am Nähen nehmen. Von daher denke ich die Materialkunde ist beim Nähstart sehr wichtig und sollte nicht ausgelassen werden.

      Viele liebe Grüße
      Manuela

  • Toller Artikel! Ich suche die grammangabe leider fast immer vergeblich, sie sollte einfach dabei stehen, dann weiß man nämlich was einen erwartet.. zum Glück habe ich allerdings fast noch nie einen fehlkauf getätigt trotz fehlender Angaben.
    Lg Teresa

    • Liebe Teresa, tatsächlich sind es wirklich recht wenige Shops die die Grammangabe wirklich ernst nehmen. Ich bin auch der Meinung, sie sollte einfach dazu gehören. Vielen Dank für dein Feedback.

      Viele Grüße
      Manuela

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