Suche Hobby ohne Mütter

Eingetragen bei: Blog, Familie und Co., GEDACHTES | 25

Nähen ist ein Hobby welches offensichtlich verbindet. Gerade in den letzten Jahren, in den Zeiten von Facebook und Co. haben sich viele Frauen zu Gruppen zusammen geschlossen (ja es sind in erster Linie Frauen, ich möchte euch Männer hier nicht diskriminieren, aber es ist Fakt, die Facebooknähgruppen werden von Frauen beherrscht, sorry Jungs), um sich über ihr Hobby auszutauschen. Klingt gut, oder? Zugegeben, dieser Gedanke hat mir auch sehr gefallen. Gerade wenn man wie ich, gerne für seine Kinder näht, kommt man dadurch eben schnell in eine Gruppe von nähenden Müttern unter. Noch mehr Gemeinsamkeiten, wunderbar! Naja, nicht ganz!

Das Mutter sein ist eine meiner größten Prüfungen, nicht wegen der Kinder

Als Mutter muss man wirklich viel ertragen. Die Haut welche man sich zulegen muss, ist meterdick. Nicht etwa, weil die lieben Kleinen einem viel zumuten. Ja das tun sie, aber damit kommt man als Mutter klar. Warum? Weil die Natur uns das ertragen läßt. Wir lieben unsere Kinder, ganz egal wie schräg sie sind. Sie sind ja ein Teil von uns, enthalten unsere Gene und kommen uns dadurch sehr nahe. Den Mist den die lieben Kleinen bauen, können wir meist nachvollziehen, da er exakt genau so auch von uns hätte kommen können. Das Leben mit Kindern ist eine einzige Reflektion und wer ein wenig Humor sein eigen nennt, steht wohl über dieser Prüfung. Und am Ende weiß man, es ist ja ein Spiel auf Zeit, es geht vorbei.

Schwer zu ertragen sind allerdings andere Mütter. Kaum bekommt man ein eigenes Kind, mischt sich plötzlich eine Herde von Frauen in dein Leben ein. Das fängt schon mit dem Tag an, an dem man der Welt verkündet Mutter werden zu wollen oder eben wenn man verkündet, in ein paar Monaten ist es soweit. Von diesem Tag an kann man im Grunde nur alles falsch machen. Man ißt falsch, man bewegt sich falsch, man kleidet sich falsch und überhaupt denkt man sowieso falsch. In den 3 Schwangerschaften habe ich es, als besonders belehrungsresistente Frau sogar geschafft falsch Stuhl abzulassen, hier möchte ich nun nicht näher auf diese Tatsache eingehen.

Mütter an die Front

Als Mutter hat man nun 2 Möglichkeiten damit umzugehen. Man beugt sich dem überwältigendem Wissen der Mehrheit oder man legt sich eine felsenfeste und hartnäckige „ist mir egal“ Haltung zu. Fakt ist dabei, so oder so Ruhe bekommt man in den nächsten Jahren mit keiner der Entscheidungen. Denn die Spezies Mutter kann überaus hartnäckig im Verbreiten ihrer Ansichten sein. Sie erwischt einen wirklich überall. So eben auch in einer Nähgruppe, in der es eigentlich überhaupt nicht um Kindererziehung geht, sondern ums Nähen eben. Unbekümmert postet Mutter A ihr neues Projekt und wird von Mutter B-Z eines besseren belehrt, wobei jede dieser Mütter natürlich eine eigene, richtigere Meinung vertritt, welche natürlich wissenschaftlich belegt ist und dadurch keine andere Meinung zuläßt. Es entsteht ein Krieg, welcher in keinem Verhältnis zum Post steht. Nach wie vor verstehe ich bis heute nicht, warum es die Männer sind, die in Kriegsgebieten hauptsächlich eingesetzt werden, wo man Frauen doch viel schneller zum Kampf bereit hätte. Sag der Frauentruppe einfach, die Gegner haben behauptet, dass auch Kinder die nicht gestillt werden gesund sein können. Feuer frei!

Müttergruppen – ein Paradies für Trolle

Exakt aus diesem Grund eskalieren ganz harmlos wirkende Beiträge in diversen Nähgruppen immer wieder. Es ist, als ob wir Mütter die objektive Sicht auf Dinge vollkommen verlieren. Eine Frau postet ein Baby mit Kindersitz, 20 Personen fühlen sich persönlich angegriffen und kritisieren den Kindersitz, keine davon sieht das Genähte. Kein Mann wird verstehen was gerade ab geht. Warum nicht? Männer stehen vor der Entscheidung „kaufe einen Kindersitz“ sie informieren sich, welche gibt es, wo liegt der Unterschied, lesen evtl. einige Warentests und entscheiden sich für einen, welcher gekauft wird. Das Kind wird in den Sitz gepackt und damit ist das Problem behoben. Mission erfüllt, Vater ist mit seiner Entscheidung zufrieden! Mütter fangen nach dem Kauf an zu googeln, lesen im Mamiforum, dass eine Mutter gelesen hat, dass eine Bekannte einer Freundin gesagt hat, dieser Kindersitz sei Mist. Die ersten Zweifel kommen auf. Panik! Mein Kind wird in diesem Sitz sein Leben verlieren. Die nächsten 6 Monate verbringt diese Frau damit intensive Studien über Kindersitze zu lesen, derweil wächst das Kind ganz allmählich aus dem „bösen“ Sitz, immer noch am Leben. Herzlich Willkommen in der Welt des unnützen Wissens. Leider zu spät! Und dann passiert es, eine andere, verantwortungslose Mutter postet ein Foto mit exakt diesem Sitz. Na der wird jetzt mal dezent um die Ohren geworfen was sie alles FALSCH gemacht hat. Irgendwo muss man dieses ganze „Fachwissen“ ja nun mal abladen.

Die Mutter das übernatürliche Wesen

In unserer Gesellschaft ist es eben leider so, dass die Mutter als solchen eben genau exakt das zu sein hat. Das perfekte Wesen, welches über allem schwebt und die Familie managt. Natürlich absolut fehlerfrei! Dabei sind es längst nicht mehr die Männer die uns in eine feste Rolle pressen und von uns schier unmögliches erwarten. Vielmehr sind es andere Mütter, welche dir ihren Stempel aufdrücken, denn du fortan besser erfüllen solltest. Den eigenen Instinkt zu nutzen oder gar aufs Bauchgefühl hören sind aus der Mode gekommen, dabei kann man einfach zu viel falsch machen. Dabei wäre es alles ganz einfach. Sei glücklich und deine Familie wird es auch sein! Allerdings wäre es schon ziemlich frech, als Mutter einfach glücklich zu sein, wo doch so viele andere sich die Beine ausreißen und es offenbar nicht sind, dies aber als Opfer für ihre Familie sehen.

Irgendwas mit weniger Mütter

Persönlich nerven mich diese Grundsatzdiskussionen. Im echten Leben versuche ich mich von Frauen wie diesen fern zu halten. Frauen die neben ihr Kindererziehungsreligion keinen anderen Gott zulassen. Frauen die in ihren Leben offensichtlich nur dieses eine Thema kennen. Hobbylos, würde mein Maxi dazu sagen. Die Jugendsprache hat es hier voll drauf. Umso mehr nervt es mich, wenn mich exakt diese Gespräche dann in meinem Hobby heimsuchen, in dieser Oase die mich eigentlich entspannen lassen soll. Die mich neben den Kindern auch mal an andere Dinge denken läßt. Denn ich bin längst mehr als nur Mutter, schon immer gewesen. Und nur weil vor knapp 15 Jahren der Mutterstatus dazu kam, wurden mir die anderen nicht aberkannt. Manchmal würde ich dann aber dieses Hobby, welches einfach verbunden ist mit so vielen Frauen einfach gegen etwas ohne Mütter tauschen wollen. Autos schrauben oder so.

Aber warum ist das so? Warum bekämpfen wir Frauen uns gegenseitig? Können wir nicht einfach zu unseren Entscheidungen stehen und akzeptieren, dass andere Mensch andere Entscheidungen treffen? Weshalb bringt uns die Erkenntnis, das andere Frauen andere Entscheidungen treffen so aus der Bahn und zwingt uns dazu, sie eines „besseren“ belehren zu wollen?

Wie seht ihr das und wie geht ihr mit diesem Thema um? Reden lassen, dagegen ankämpfen oder einfach Abstand nehmen und ganz viel oooooohm?

||||| 11 Gefällt mir! |||||

25 Antworten

  1. Wow danke für den Beitrag. Genau so ist es LEIDER.
    Es ist ja auch so das viele die guten Manieren im WWW einfach so vergessen. Es gibt sachen die würden einige NIE persönlich zu einer person sagen aber im Web lassen sie die sau raus.

    • Es ist mittlerweile sogar so, dass die guten Manieren auch im echten Leben immer mehr abnehmen, leider. Vielen Dank für deine Meinung.

  2. Großartiger post! Ich nutze Facebook auch eigentlich ich nur für Tipps rund ums nähen und bin erstaunt, wie leidenschaftlich sich da viele in persönliche Themen reinsteigern. Vielleicht geht es um Anerkennung, die im echten Leben fehlt, ich möchte Facebook gar nicht so viel macht über mich geben, mich dem gar nicht aussetzen und emotionalisieren lassen von fremden Leuten.

    Daher poste ich nie was, wenn mich Meinung interessiert, frage ich die, die mir wirklich am Herzen liegen.

    Jeder soll sein Ding machen.

    Bleib so frisch und frech und kritisierend wie du bist in dieser wirren Onlinewelt, ich mag das sehr und bin bei dir!

    • Grundsätzlich bin ich gar nicht gegen Diskussionen, aber alles hat eben seinen Platz. Wenn ich in einem Mütterforum unterwegs bin, dann rechne ich exakt damit, aber doch nicht beim Nähen. Dieses am Thema vorbei reden, um die eigenen Überzeugung immer und überall durch zu drücken, das stört mich einfach am meisten.

      Danke für deinen lieben Kommentar!

  3. Ganz großartig geschrieben! Ich sehe es auch so- es war so ein entspanntes und vorurteilsfreies Leben in einer Tischlerei zu arbeiten…. ich denke, die Angst die durch zu viel Informationen geschürt wird, gepostet damit dass man als Mutter nur ernst genommen wird wenn man die Kinder verschweigt, lassen Frauen bei dem einzigen Thema das man ihnen noch zutraut derart ausflippen- macht es aber nicht besser…

    • Das ist denke ich ein Knackpunkt, dass es sich bei der Kindererziehung um das handelt, was uns einfach zugeschrieben wird als das Einzige was wir können. Und es gibt offensichtlich immer noch genug Frauen die das glauben und sich dann auf fast unmögliche Weise rein hängen.

  4. Da bin ich ganz deiner Meinung! Ich kann das auch überhaupt nicht nachvollziehen und frage mich auch ständig, warum wir uns unser Leben gegenseitig so schwer machen!
    Liebe Grüße,
    Marina

  5. ich habe jetzt herzlich lachen müssen. ist tatsächlich so. ich würde sagen, der beste weg damit umzugehen ist eine kombination aus ersterem und letzterem…. 🙂 ich denke mir teilweise nicht mal mehr meinen teil dazu, ehrlich. ressourcenverschwendung. ich hab mir im laufe meiner mutterschaft und lebenszeit das leben selbst oft mit meinen eigenen grübeleien viel zu schwer gemacht und es war ein zu harter weg, das bleiben zu lassen, als dass ich nun / früher / in zukunft andere dazwischenfunken lasse. fällt nicht immer leicht, denn manchmal sind diese zwischenfunker ziemlich zielsicher, aber meist kostet es mich nur noch ein schulterzucken. ich glaube, im umgang damit sind lebenserfahrung und einige lebensjahre einfach nur gold wert. 🙂

    machs fein, meine liebe, kathrin

    • Da geb ich dir auf jeden Fall recht, je älter die eigenen Kinder werden, umso mehr kann man alles mit Abstand sehen und greift aus seiner eigenen Erfahrung.

  6. Da hilft eindeutig nur ooooohmmmmmm, weiterscrollen, sich mit realen Frauen umgeben, die ganz normal sind, obwohl sie auch nähen.

    Ich finde es auch total anstrengend, bin aus ganz vielen Gruppe aus genau dem Grund ausgetreten. Herrlich, diese Erleichterung. 😉

    Übrigens kann man diese Art Mütter aber auch im echten Leben treffen. Im Café, wo über laktosefreie Milch im koffeinfreien Karamell Frappuccino diskutiert wird über zuckerfreie Süßigkeiten fürs Kind. Im Kindergarten, in Spielgruppen. Es ist irgendwie das Gefühl für ein Normalmaß verloren gegangen.

    Warum darf man nicht Stillen und Fläschen geben. Warum ist es verwerflich, Gläschenkost zu verfüttern und selbst zu kochen? Und warum ist es so fürchterlich einen Kinderwagen, ein Tragetuch und eine Babytrage zu verwenden?

    Irgendwie freue ich mich fast schon auf den Schuleintritt der Großen nächstes Jahr. Ich hoffe, dass die Berühungspunkte mit solch wenig entspannten Eltern weniger werden…

    Liebe Grüße, Sandra

    • In der Schule wird es nicht unbedingt besser. „Besorgte“ Mütter gibt es auch dort, nur die Themen werden anders 😉 LG Petra

    • Das ist eben die Problematik, dass einem diese Leute nicht nur online begegnen. Ich habe das Gefühl diese Art von Mütter sind in den letzten Jahren explosionsartig mehr geworden und es endet leider nicht mit dem Schuleintritt. 😉

  7. Ach, Mensch, was soll ich sagen… Ich bin davon auch ziemlich genervt. In vielen Gruppen poste umd kommentiere ich schon lange nichts mehr. Auch das lesen der Kommentare vernachlässige ich sträflich. Das ist in sofern schafe, als das ich dadurch auch ganz viel tolles verpasse.

    Einen kleinen Tipp habe ich aber noch für dich, falls es in der Mütter-Liga langweilig wird. Poste mal ein genähtes Teil für deinen Hund🤣 mitunter auch seeehr spannend.

    • Liebe Verena, seit einiger Zeit darf ich ja das Hundemutterdasein erleben und allein beim Gassi gehen ist die Flut an Informationen welche man ungefragt bekommt gigantisch! Hunde sind wie Kinder hoch 3. Gefühlt wird man mit Welpen von allen Leuten angesprochen und ALLE, wirklich alle wollen wissen ob er schon sauber ist und nachts durchschläft und natürlich, ob man beim Welpenspielen mit ihm ist. Ich sag dann immer gerne, dass wir uns für musikalisch Früherziehung entschieden haben. 😉

  8. Das sind so wahre Worte. Einfach und so zutreffend. Ich persönlich ignoriere das ganze gequetsche. Es gibt kein richtig oder falsch, nur ein verschieden.

  9. Danke, Ich bin für distanzieren und ganz viel Ohm. Ich verstehe es selbst manchmal nicht warum Mütter so sind. Man muss dann aber auch Selbstreflexion betreiben und sich eingestehen, das man manchmal selbst so ist. 😱

  10. Klasse! Danke für die ehrliche Worte. 🙂

  11. Gut gebrüllt Löwe! Ich habe das, was du in den Gruppen erlebst leider auch schon sehr oft im Leben 1.0 erlebt. Da hilft nur viel „oooohm“ und eine kesse Lippe. Auf unseren Nähparties reden wir nicht nur über die Kiddies, sondern über Schnittmuster, Stoffe, Garnqualität und Sekt mit Schokolade. Mein Hobby gehört mir und da darf es dann auch einmal um was anderes gehen ☺️

  12. Fantastischer Artikel. Auch als beobachtender Mann bin ich leider oft verdutzt was da vor sich geht.

  13. Leider nur zu wahr. Ich halte mich da auch zurück und mein Tipp an werdende Eltern ist, glaubt den anderen Müttern nicht. Nicht, dass Kinder schon früh durchschlafen, dass sie nie Süsses Essen, mir Sagt Trinken etc. pp. Ich finde es auch ganz schlimm. Was mich besonders nervt, ist das sich immer erklären zu müssen und zu rechtfertigen. Mein Kind, meine Entscheidung und nicht zu allem müssen Grundsatzdiskussionen geführt werden. Bestenfalls die meines Mannes bzw. KINDESVATERS mit. Herr im Himmel – ich kann die Diskussionen auch e. Fotos von Kindern nimmer lesen. Eltern entscheiden und argh.

    • Ja das stimmt, bei manchen Müttern hat man leider das Gefühl sie wollen die gesamte Welt bemuttern. Es ist einfach überaus mühselig.

  14. Ich würde sagen ziemlich viel Ohm und tief Luftholen, dazu Abstand in der Realität von denen, die nur ihre Weisheiten verbreiten und vielleicht auch von solchen Nähgruppen wo das häufiger passiert, ansonsten sofort weiterlesen … eine gute Portion Selbstbewusstsein und weglächeln. Aber ich stimme dir zu ich habe das Ausmaß, dass ich in der Realität erlebt habe und erlebe echt unterschätzt … ich wusste nicht, dass man so viel falsch machen kann bzw. versäumen kann zu tun. Eigentlich habe ich angenommen das Phänomen gibts nur in meinem Beruf, von dem auch alle wissen und besser wissen wie alles zu funktionieren hat. Leben und leben lassen solange nichts aus dem Ruder läuft ist doch eigentlich ganz prima oder?
    Liebe Grüße Ingrid

Kommentar verfassen