Suche Hobby ohne Mütter

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Nähen ist ein Hobby welches offensichtlich verbindet. Gerade in den letzten Jahren, in den Zeiten von Facebook und Co. haben sich viele Frauen zu Gruppen zusammen geschlossen (ja es sind in erster Linie Frauen, ich möchte euch Männer hier nicht diskriminieren, aber es ist Fakt, die Facebooknähgruppen werden von Frauen beherrscht, sorry Jungs), um sich über ihr Hobby auszutauschen. Klingt gut, oder? Zugegeben, dieser Gedanke hat mir auch sehr gefallen. Gerade wenn man wie ich, gerne für seine Kinder näht, kommt man dadurch eben schnell in eine Gruppe von nähenden Müttern unter. Noch mehr Gemeinsamkeiten, wunderbar! Naja, nicht ganz!

Das Mutter sein ist eine meiner größten Prüfungen, nicht wegen der Kinder

Als Mutter muss man wirklich viel ertragen. Die Haut welche man sich zulegen muss, ist meterdick. Nicht etwa, weil die lieben Kleinen einem viel zumuten. Ja das tun sie, aber damit kommt man als Mutter klar. Warum? Weil die Natur uns das ertragen läßt. Wir lieben unsere Kinder, ganz egal wie schräg sie sind. Sie sind ja ein Teil von uns, enthalten unsere Gene und kommen uns dadurch sehr nahe. Den Mist den die lieben Kleinen bauen, können wir meist nachvollziehen, da er exakt genau so auch von uns hätte kommen können. Das Leben mit Kindern ist eine einzige Reflektion und wer ein wenig Humor sein eigen nennt, steht wohl über dieser Prüfung. Und am Ende weiß man, es ist ja ein Spiel auf Zeit, es geht vorbei.

Schwer zu ertragen sind allerdings andere Mütter. Kaum bekommt man ein eigenes Kind, mischt sich plötzlich eine Herde von Frauen in dein Leben ein. Das fängt schon mit dem Tag an, an dem man der Welt verkündet Mutter werden zu wollen oder eben wenn man verkündet, in ein paar Monaten ist es soweit. Von diesem Tag an kann man im Grunde nur alles falsch machen. Man ißt falsch, man bewegt sich falsch, man kleidet sich falsch und überhaupt denkt man sowieso falsch. In den 3 Schwangerschaften habe ich es, als besonders belehrungsresistente Frau sogar geschafft falsch Stuhl abzulassen, hier möchte ich nun nicht näher auf diese Tatsache eingehen.

Mütter an die Front

Als Mutter hat man nun 2 Möglichkeiten damit umzugehen. Man beugt sich dem überwältigendem Wissen der Mehrheit oder man legt sich eine felsenfeste und hartnäckige „ist mir egal“ Haltung zu. Fakt ist dabei, so oder so Ruhe bekommt man in den nächsten Jahren mit keiner der Entscheidungen. Denn die Spezies Mutter kann überaus hartnäckig im Verbreiten ihrer Ansichten sein. Sie erwischt einen wirklich überall. So eben auch in einer Nähgruppe, in der es eigentlich überhaupt nicht um Kindererziehung geht, sondern ums Nähen eben. Unbekümmert postet Mutter A ihr neues Projekt und wird von Mutter B-Z eines besseren belehrt, wobei jede dieser Mütter natürlich eine eigene, richtigere Meinung vertritt, welche natürlich wissenschaftlich belegt ist und dadurch keine andere Meinung zuläßt. Es entsteht ein Krieg, welcher in keinem Verhältnis zum Post steht. Nach wie vor verstehe ich bis heute nicht, warum es die Männer sind, die in Kriegsgebieten hauptsächlich eingesetzt werden, wo man Frauen doch viel schneller zum Kampf bereit hätte. Sag der Frauentruppe einfach, die Gegner haben behauptet, dass auch Kinder die nicht gestillt werden gesund sein können. Feuer frei!

Müttergruppen – ein Paradies für Trolle

Exakt aus diesem Grund eskalieren ganz harmlos wirkende Beiträge in diversen Nähgruppen immer wieder. Es ist, als ob wir Mütter die objektive Sicht auf Dinge vollkommen verlieren. Eine Frau postet ein Baby mit Kindersitz, 20 Personen fühlen sich persönlich angegriffen und kritisieren den Kindersitz, keine davon sieht das Genähte. Kein Mann wird verstehen was gerade ab geht. Warum nicht? Männer stehen vor der Entscheidung „kaufe einen Kindersitz“ sie informieren sich, welche gibt es, wo liegt der Unterschied, lesen evtl. einige Warentests und entscheiden sich für einen, welcher gekauft wird. Das Kind wird in den Sitz gepackt und damit ist das Problem behoben. Mission erfüllt, Vater ist mit seiner Entscheidung zufrieden! Mütter fangen nach dem Kauf an zu googeln, lesen im Mamiforum, dass eine Mutter gelesen hat, dass eine Bekannte einer Freundin gesagt hat, dieser Kindersitz sei Mist. Die ersten Zweifel kommen auf. Panik! Mein Kind wird in diesem Sitz sein Leben verlieren. Die nächsten 6 Monate verbringt diese Frau damit intensive Studien über Kindersitze zu lesen, derweil wächst das Kind ganz allmählich aus dem „bösen“ Sitz, immer noch am Leben. Herzlich Willkommen in der Welt des unnützen Wissens. Leider zu spät! Und dann passiert es, eine andere, verantwortungslose Mutter postet ein Foto mit exakt diesem Sitz. Na der wird jetzt mal dezent um die Ohren geworfen was sie alles FALSCH gemacht hat. Irgendwo muss man dieses ganze „Fachwissen“ ja nun mal abladen.

Die Mutter das übernatürliche Wesen

In unserer Gesellschaft ist es eben leider so, dass die Mutter als solchen eben genau exakt das zu sein hat. Das perfekte Wesen, welches über allem schwebt und die Familie managt. Natürlich absolut fehlerfrei! Dabei sind es längst nicht mehr die Männer die uns in eine feste Rolle pressen und von uns schier unmögliches erwarten. Vielmehr sind es andere Mütter, welche dir ihren Stempel aufdrücken, denn du fortan besser erfüllen solltest. Den eigenen Instinkt zu nutzen oder gar aufs Bauchgefühl hören sind aus der Mode gekommen, dabei kann man einfach zu viel falsch machen. Dabei wäre es alles ganz einfach. Sei glücklich und deine Familie wird es auch sein! Allerdings wäre es schon ziemlich frech, als Mutter einfach glücklich zu sein, wo doch so viele andere sich die Beine ausreißen und es offenbar nicht sind, dies aber als Opfer für ihre Familie sehen.

Irgendwas mit weniger Mütter

Persönlich nerven mich diese Grundsatzdiskussionen. Im echten Leben versuche ich mich von Frauen wie diesen fern zu halten. Frauen die neben ihr Kindererziehungsreligion keinen anderen Gott zulassen. Frauen die in ihren Leben offensichtlich nur dieses eine Thema kennen. Hobbylos, würde mein Maxi dazu sagen. Die Jugendsprache hat es hier voll drauf. Umso mehr nervt es mich, wenn mich exakt diese Gespräche dann in meinem Hobby heimsuchen, in dieser Oase die mich eigentlich entspannen lassen soll. Die mich neben den Kindern auch mal an andere Dinge denken läßt. Denn ich bin längst mehr als nur Mutter, schon immer gewesen. Und nur weil vor knapp 15 Jahren der Mutterstatus dazu kam, wurden mir die anderen nicht aberkannt. Manchmal würde ich dann aber dieses Hobby, welches einfach verbunden ist mit so vielen Frauen einfach gegen etwas ohne Mütter tauschen wollen. Autos schrauben oder so.

Aber warum ist das so? Warum bekämpfen wir Frauen uns gegenseitig? Können wir nicht einfach zu unseren Entscheidungen stehen und akzeptieren, dass andere Mensch andere Entscheidungen treffen? Weshalb bringt uns die Erkenntnis, das andere Frauen andere Entscheidungen treffen so aus der Bahn und zwingt uns dazu, sie eines „besseren“ belehren zu wollen?

Wie seht ihr das und wie geht ihr mit diesem Thema um? Reden lassen, dagegen ankämpfen oder einfach Abstand nehmen und ganz viel oooooohm?

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